Mit leichten Vibrationen landet mein Raumschiff auf dem Planeten, den bislang noch nie jemand vor mir entdeckt hat. Ich steige aus, nenne den Planeten Prookokolores I und das erste vorbeilaufende Tier Trööt, weil es genauso aussieht. Dann betrete ich, der Weltenentdecker, die nahegelegene Raumstation, um mich  mit dem dortigen Gek, einem Händler-Alien, zu unterhalten. Willkommen by No Man’s Sky, einem der widersprüchlichsten und gehyptesten Indie-Spiele des Jahres.

No Man’s Sky ist der feuchte Traum eines jeden Weltraum-Entdeckers. 18 Trillionen Planeten, die man entdecken kann, wobei man nicht allzu viel erwarten sollte: Die Planeten sind prozedural generiert, also willkürlich, genauso wie die dortigen Biome mit ihren Pflanzen und Tieren. Diese sehen deshalb auch manchmal aus, als seien ihre Kaulquappen-Eltern gegen einen Bus gerannt. Klar, man wer braucht nicht einen Arm, der anstatt des Kopfes aus dem Rumpf wächst?

NMS fasziniert: Man startet vom Planetenboden, schießt ohne Ladezeit oder sonstigen Kokolores durch die Atmosphäre ins unendliche Weltall und zurück, inklusive Plasmafeuer. Ein Technik-Traum, der einen packt.

Was man in No Man’s Sky so macht? Man wacht auf einem Planeten auf, neben einem Raumschiff, dass ein Klumpen Schrott ist. Ob man es im Suff auf den Boden gekracht hat (was später im Spiel dank aufdringlichem Autopilot nicht mehr möglich ist)? Man weiß es nicht, Erklärungen oder gar Handlungen wie in Mass Effect sucht man vergeblich. Eine Storyline soll es zwar geben, aufdringlich ist sie nicht.

Wie bei Minecraft. Nur im Weltall

In den ersten Stunden ist es wie bei Minecraft: Ressourcen abbauen, geschrottete Raumschiff reparieren, Addons craften, Technologie bei den Händlern auf den Planeten oder auf den vielen, vielen Versorgungsdepots bergen, Schiff auftanken, zum nächsten Sonnensystem fliegen und so fort.

Ach ja, und Geld verdienen, um sich ein größeres Schiff zu kaufen. Denn wirklich Platz gibt es auf der ollen Karre, die man vorfindet nicht. Hinzu kommt, dass nahezu jede Verbesserung einen weiteren Slot frisst. Wie soll man denn sein Schiff verbessern, seinen Anzug, seinen komischen Schneidbrenner, wenn man danach noch weniger Zutaten abbauen kann.

Welten-Entdecker geht beim Händler vor Ort shoppen

Das Crafting System frustet ungemein. Man wird mehr noch alleine gelassen als bei Minecraft; dort kann man wenigstens mal schnell im Netz nachgucken. Bei NMS gibt es keinen switch zurück, ohne dass man das Spiel neustarten muss.  Fast wie 1997.

Alleine durchs Universum streifen, das scheint die Headline zu sein. No Man’s Sky passt. Klar kann man alles benennen, es kümmert nur keinen. Diese Welt gehört niemanden, die andere auch nicht. Der Entdecker, der seien Fahne in den roten Planetenboden rammt, umwehr von einem Plutioniumsturm, muss sich nicht groß um eine Expeditionsdokumentation kümmern. Es interessiert keinen. Selbst, wenn bei 18.000.000.000.000.000.000 Planeten mal doch ein zweiter Entdecker vorbeischauen sollte, wird das sicher relevant – nicht.

Kapitalismus heißt, Aliens ihre Schiffe unterm Hintern wegzukaufen

Ganz stimmt das natürlich nicht, mit dem einsamen Entdecker. Neben den computergesteuerten Aliens, die hin und wieder auftauchen und sich als Handelspartner mit einem riesigen Handelsnetzwerk anbieten, denen man auch mal schnell das Schiff unter ihrem Hintern abkaufen und sie damit auf die verstrahlte Planetenoberfläche verdammt, Kapitalismus ist schon eine tolle Sache, neben diesen Aliens gibt es noch seltsame Wächter, die mit Argusaugen darüber wachen, dass du mit deinem Bohrschneider partout nicht zuviel Zerstörung auf der Oberfläche anrichtest.

Richtig gehört. Der Entdecker landet, wühlt sich durch Eisen und Kupfervorräte. Wird er dabei entdeckt, schießt man ihn zum Krüppel, wenn er nicht klug agiert.

Im Weltall wird es noch schlimmer. Kämpfe sind besonders zu Beginn bereits verloren, sodass man ihnen bestenfalls aus dem Weg gehen sollte. Abhauen kann man nicht. Muss so etwas sein?

Schubdüsen aufgeladen

Alles in allem wirkt No Man’s Sky. Es ist aber auch genau das, was es vorgibt: Ein Indie-Spiel, ein Space-Survival-Single-Player-Crafting-Game, das wirkt wie eine Technik Demo. Ein Spiel, dem es noch an Inhalten, an Dichte fehlt. Weil alles automatisch generiert wird, Ressourcen, Tiere, Planeten, Händler, ist alles auch austauschbar. Mal pink, mal grün, alles schon gesehen, besonders in den ersten Stunden.

Es macht Spaß. Aber man fragt sich: Geht es immer so weiter, bleibt das Storytelling und Gaming auf ebenjenem Niveau, dass man auch schon bei den ersten Assassins Creed Games hatte, diese immerwährenden Abläufe? Oder kommt noch mehr?

Man kann nur hoffen, dass Hello Games ordentlich nachliefert, damit nicht die Motivation erhalten bleibt, sondern auch eine Langzeit und Wiederspielmotivation überhaupt aufkommt. Eine Kampagne? Fraktionen? Eve-Online? Storytelling? Editor? Nutzer-generierte Inhalte? Inhaltlich fehlt noch der Kick. Die Technik ist hübsch und grandios, auch wenn die Grafik besser sein könnte. Aber hey, es muss ja auch auf einer Playstation 4 laufen.

Den nächsten Planeten nennen ich mal Langzeitmotivation. Weil ich es kann.