Rund 30.000 Bonner glauben “Bonn kann mehr – Rettet das Bönnsche Lebensgefühl”. Zumindest, wenn man dem spektakulären, von Medien befeuerten Zuwachs an Likes zu der Facebook-Seite Glauben schenkt.

Bedeutet, dass rund 10 Prozent aller Bonner sich einem Protest gegen verquere Regeln zum Thema Lärm undVeranstaltungen anschließen würde – ein stolze Anzahl an Menschen wäre das in der Realität.

Warum ich dennoch skeptisch bin wie ein Hund gegenüber Wasserstrahlen? Ein Like ist schnell gesetzt. Da ist man auch mal gegen die systematische Ermordung rumänischer Hunde, oder gegen Putin wegen [Grund bitte einsetzen]. Ginge es nach dem Willen “gefällt mir” klickender Netzbenutzer, wäre Lanz schon längst Frittenverkäufer und Snowden würde in Deutschland Asyl bekommen.

Aber so aktiv der gemeine Facebook-Nutzer im Netz agiert, so faul ist er doch in der Realität – was mich skeptisch gegenüber eines Erfolgs weiteren Aktionen macht.

Zudem glaube ich, bei aller Freude über die Gruppe und des Gründers, der einen wahren Kern getroffen hat, für den es sich zu demonstrieren lohnen würde, zudem glaube ich auch, dass man zu zaghaft ist.

Denn anstatt diese Nutzermacht im wahren Sinne zu nutzen und den Protest auf Bahnen zu lenken, die von der Politik und dem Rat auch gesehen und umgesetzt werden, wird eine Podiumsdiskussion im Brückenforum organisiert.

Warum das meiner Meinung nach ein Fehler ist? Weil bestenfalls tausend, aus dem Netz rekrutierte Leute kommen, um sich die Meinung von fünf, sechs  Rednern anzuhören, die genau die gleiche Meinung haben: Ja zu Publiv Viewing, Klangwelle, Kunst!Rasen, dem Nachbarfest, dass Nimptsch nochmal antreten soll. Fünf Redner mit der gleichen Meinung, die von tausend Leuten beklatscht werden. Tut keinem weh, kriegt draußen keiner mit, das Ergebnis gibt es dann in der Presse und FB. Bestenfalls.

Schlimmstenfalls kommen ein paar Hundert.

Typisch Deutsch? Vielleicht. Das Beste wäre gewesen, die tehntausende Bonner auf dem Hofgarten demonstrieren zu lassen. Das wäre ein Zeichen gewesen. Das hätte Aufmerksamkeit erregt.

(Zur Klarstellung: Meine zwei Cent. Ich finde die Gruppe super und unterstütze die Idee umfänglich. Aber ich fürchte und möchte an dieser Stelle mahnen, dass sich das Ganze nicht verläuft.)